Wer mit dem Camper oder Wohnmobil auf der iberischen Halbinsel unterwegs ist, aber keine Lust auf überfülle Strände und Campsites hat, der sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, einen der vielen Nationalparks in Spanien zu besuchen.

Spaniens Festland ist für europäische Verhältnisse riesig – knapp 490.000 Quadratkilometer bieten eine gigantische Vielfalt an Landschaften – vor allem die Nationalparks, die sich im ganzen Land verteilt finden lassen, lassen keinen Wunsch offen: Wandern in schwindelerregenden Höhen entlang steiler Felswände auf schmalen Pfaden, Klettern, Mountainbiken oder Kanufahren in einem der zahlreichen Bergflüsse. Die wundervolle Natur lässt sich in einem Nationalpark in Spanien besonders intensiv erleben.

Bist du bereit für ein paar tolle Empfehlungen zu den schönsten Schutzgebieten in Spanien? Dann nichts wie ran ans Koffer packen & los geht’s!

Picos de Europa – Nationalpark Spanien

Die Picos de Europa sind das womöglich beeindruckendste Gebirge in Spanien – schroffe Felswände ragen hier steil und majestätisch in die Höhe, tosende Wasserfälle stürzen in tiefe Schluchten und hübsch blühende Almen vor dem gigantischen Bergpanorama rauben einem mit ihrer Schönheit den Atem. Der Nationalpark Picos de Europa ist nicht nur der älteste Nationalpark in Spanien, sondern mit knapp 65.000 Hektar sogar einer der größten Nationalparks in ganz Europa.

Der Nationalpark erstreckt sich über mehrere Regionen im Norden Spaniens – von Kantabrien im Osten bis nach Asturien weiter im Westen, sowie Kastilien und Leon weiter südlich. Jede Region bietet ihre ganz eigenen Highlights in ihrem Anteil des Parks:

Aktivurlauber kommen hier besonders auf Ihre Kosten – über 100 km Wanderwege verlocken einen dazu, die Natur hier besonders hautnah zu erleben.

Die beliebtesten Ausflugsziele in den Picos de Europa sind:

  • Fuente Dé – eine Seilbahn bringt dich hier auf über 2000 m
  • Ruta del Cares – eine besonders spektakuläre Schluchtenwanderung
  • Lagos de Covadonga – zwei hübsche Bergseen in spektakulärer Kulisse, die es sich zu umwandern lohnt
  • Cangas de Onis
  • Potes

Nahegelegene Campingmöglichkeiten:

  • Camping La Viorna in Kantabrien in der Nähe von Potes
  • Camping El Redondo bei Fuente Dé in der Nähe der Seilbahn

Ordesa y Monte Perdido – Nationalpark Spanien in den Pyrenäen und Aragón

Highlights auf einen Blick:

  • Torla
  • Broto und der Sorrosal-Wasserfall
  • Añisclo-Canyon
  • Schluchten von Escuaín
  • Pineta-Tal

Wer noch höher hinaus will als in den Picos de Europa, der sollte unbedingt in den  Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido reisen. Die Pyrenäen ragen hier stellenweise mit über 3.000m gen Himmel und bieten ein wahrlich beeindruckendes Bild.

Auch hier durchziehen tiefe Canyons die schroffen Felskolosse aus Kalkstein, welche hier das Landschaftsbild prägen. Grüne Wälder schmücken die Region und legen sich wie ein schmeichelndes Gewand um die Berggipfel. Irgendwo in der Ferne hört man es immer plätschern: zahlreiche Bäche und glasklare (und eiskalte!) Bergflüsse suchen sich ihren Weg durch die Landschaft und bilden immer wieder kleine Lagunen, in die man am liebsten gleich reinspringen würde (erlaubt ist dies aber leider nicht!)

Im Zentrum des Nationalparks ragt der Monte Perdido mit 3355m empor. Um ihn herum erstrecken sich verschiedene Täler. Das bekannteste ist das Ordesa-Tal. Hier zu Wandern und voll und ganz in die einzigartige Natur einzutauchen ist ein Punkt, der definitiv auf deiner Bucket-List stehen sollte!

Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten im Ordesa-Tal sind:

  • Tozal d’o Mallo
  • Wasserfall der „Estrecho“
  • Stufen von Soaso
  • Wasserfall „Cola de Caballo“

Nahegelegene Campingmöglichkeiten:

  • Camping Valle de Bujarelo im Valle de Bujarelo, direkt am Fluss gelegen, ruhig und familienfreundlich
  • Camping Pineta im Tal von Pineta, rustikaler Charme durch die Lage mitten im Wald

Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici – weniger bekannter Nationalpark in Spanien

Mit etwas mehr als 14 Hektar Fläche ist auch dieser Nationalpark in Spanien beachtlich – und vor allem eines: wildromantisch. Das Besondere: hier dreht sich alles ums Wasser. Es gibt Bäche, Flüsse und über 200 kristallklare Bergseen.

Aus über 27 gut markierten Wanderrouten kann man hier auswählen, um das alpine Gelände zu erkunden. Auch wer lieber mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann sich freuen, denn im Nationalpark gibt es zahlreiche Mountainbikerouten die einen durch das zerklüftete Gelände führen.

Was das Schmelzwasser aus Schnee und Eis hier über Jahrtausende geformt hat ist schier unglaublich. Ein einzigartiges Ökosystem, das es so kein zweites Mal in Spanien gibt.

Der bekannteste See ist der Estany de Sant Maurici, welcher auch Namensgeber von diesem Nationalpark in Spanien ist. Dieser liegt eingebettet in eine gewaltige Kulisse aus dichten, tiefgrünen Wäldern und den markanten Doppelgipfeln der Els Encantats. Für die unter euch, die noch mehr Stille suchen: besucht den Estanys d’Amitges, in dessen glatten Spiegelbild sich die Bergkulisse reflektiert. Der Name des Parks „Aigüestortes“ bedeutet auf katalanisch „gewundene Gewässer“ – was den Park mit seinen unendlich vielen Flussläufen nicht besser beschreiben könnte.

Als ob all das nicht schon so oder so einen Abstecher wert wäre, gibt es hier mit ein bisschen Glück seltene Tierarten wie Steinadler, Bartgeier oder Auerhühner zu beobachten.

Besondere Highlights in diesem Nationalpark:

  • Estany de Sant Maurici: Dieser See hat dem Park seinen Namen gegeben
  • Els Encantas: zwei ikonische Felsspitzen, die das Wahrzeichen des Parks sind
  • Aigüestortes-Tal mit seinen vielen Fluss- und Bachläufen
  • > 200 Bergseen, die überall verteilt liegen
  • Romanische Kirchen im Vall de Boí die direkt am Parkrand liegen

Nahegelegene Campingplätze:

  • Cámping Riu Gelat in Espot – liegt direkt am Fluss und hat einen kleinen Shop und eine gemütliche Bar direkt am Platz
  • Camping La Mola in Espot – mit einer sehr ruhigen Lage im Wald ein absoluter Traum

Nationalpark Cabañeros (Kastilien-La Mancha)

Besondere Highlights im Überblick:

  • „Berrea“ der Rothirsche im September und Oktober
  • Beobachtung von großen Greifvögeln wie Stein-, Kaiser- und Schwarzgeier, Uhus und vielen mehr
  • Fossilien & Boquerón de Estena: geologische Schätze entdecken
  • Aktivitäten wie 4×4 Safaris, Biketouren, Reittouren, Vogel- und Astrobeobachtung
  • 16 Wanderrouten, um die Natur in seinem eigenen Tempo zu entdecken

Vor Ort kannst du dich am besten in einem Besucherzentrum weitergehend informieren.

Auch wenn man hier kein Großwild wie in Afrika beobachten kann, so könnte sich hier dennoch der ein oder andere rein landschaftlich hier an die ostafrikanische Serengeti erinnert fühlen. Weite Ebenen, in denen lediglich Steppengras wächst, und welche hier und da durch Korkeichen- und Pinienwälder, felsige Hügel oder Schluchten unterbrochen werden. Genau diese Kombination bietet einer Vielzahl an Wildtieren eine Heimat.

Besonders in September und Oktober, wenn die Blätter sich allmählich in den schönsten Gold- und Orangetönen färben, beginnt für die dort lebenden Rothirsche die Brunftzeit. Dies lässt sich laut und deutlich hören, an den „Berrea“, den beeindruckenden Brunftlauten der Tiere, die in den weiten dieses spanischen Nationalparks nachhallen. Naturbegeisterte können hier aber nicht nur die Hirsche beobachten, sondern auch weitere, teils bedrohte, Arten bestaunen: Mönchsgeier, Steinadler und Schwarzstörche fühlen sich hier ebenso wohl wie der iberische Luchs, der hier gezielt zur Wiederansiedlung ausgesetzt wird.

Die Geologie der Naturparks ist ebenfalls ein besonderes Highlight! Uralte Fossilien sind stille Zeugen davon, dass das gesamte Gebiet einst unter dem Meeresspiegel lag. Tief hinein in das Gestein aus Quarzen und Schiefern haben sich über abertausende Jahre tiefe Schluchten gebildet, die die ein oder andere seltene Pflanzen- und Reptilienart beherbergen.

Campingpmöglichkeit in der Nähe des Nationalparks:

  • Área de Autocaravanas de Horcajo de los Montes – ist ein einfacher Stellplatz unweit des Parkeingangs, sogar mit Stromversorgung

Sierra de Guadarrama – Nationalpark in Spanien in der Region Madrid & Kastilien-León

Nur etwas weniger als eine Autostunde von Madrid entfernt, liegt der noch recht junge spanische Nationalpark Sierra de Guadarrama. Mitten im Zentrum der iberischen Halbinsel liegt hier mit knapp 34000 Hektar ein Hochgebirge mit Massiven aus Granit, zauberhaften Kiefernwäldern, alpinen Wildblumenwiesen, glasklaren Bergseen und tiefen Schluchten.

Der Nationalpark ist durchzogen von diversen steilen Felsformationen wie Peñalara (mit über 2400m), den Siete Picos, La Pedriza und La Maliciosa – allesamt ein Paradies für Aktivurlauber und Outdoor-Fans. Durch die vielen unterschiedlichen Bereiche in verschiedenen Höhenlagen entfalten sich hier mehr als 1500 Pflanzenarten – Wow! Bergwiesen, Moore und Felsregionen sorgen alle für ihr ganz eigenes Mikroklima und ermöglichen diese endlos wirkenden Variationen. Von mediterranem Flair bis alpin-winterlichem Gefühl wirst du hier wohl alles erleben können.

Nicht nur Pflanzen fühlen sich wohl, sondern auch knapp 1200 Tierarten finden in diesem Nationalpark in Spanien eine Heimat, wie beispielsweise der iberische Wolf, Wildschweine, Hirsche, diverse Geier- und Adlerarten, sowie Feuersalamander und Smaragdeidechsen, um nur einige zu nennen.

Das war nicht immer so, denn erst 2013 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Die Schutzmaßnahmen zeigen aber bereits Wirkung und tragen zum Erhalt der Lebensräume, des kulturellen Erbes und der Biodiversität bei.

Highlights im Nationalpark auf einen Blick:

  • reiche Flora und Fauna: >1300 Pflanzenarten & >1200 Tierarten sind hier zuhause!
  • geologische Schätze, u.a. die Peñalara-Gletscherseen oder La Pedriza
  • Outdoor-Aktivitäten: Egal ob Wandern, Klettern, Mountainbiken – hier findest du schon die passende Aktivität!
  • Besucherzentren: liebevoll gestaltete Besucherzentren ermöglichen es dir, dich weitergehend zu informieren

Der Nationalpark ist seit 2013 Schutzgebiet und gehört zum UNESCO-Biosphärenreservat mit einigen Natura-2000 Flächen

Campingmöglichkeiten nahe des Parks:

  • Keine konkrete Empfehlung – aber in den Dörfern rund um den Park gibt es zahlreiche Áreas de Autocaravanas, wo man gut und günstig die Nacht verbringen kann

Autorin: Alexandra Görgen

Dieser Blogartikel wurde verfasst von unserer Kollegin Alexandra – sie hat insgesamt bereits mehrere Monate mit dem Camper auf der iberischen Halbinsel und insbesondere in Spanien verbracht und weiß, wo es dort am schönsten ist.

In diesem und vielen weiteren Artikeln teilt sie ihre liebsten Tipps rund ums Thema Urlaub und Camping abseits bereits ausgetretener Touristenpfade mit euch.